Musik in der Grundschule neu denken – neu gestalten

Theorie und Praxis eines aufbauenden Musikunterrichts, mit CD

Thema: Bücher
Verlag/Label: Helbling Verlag, Esslingen a. Neckar 2010
erschienen in: Musik in der Grundschule 2011/01 , Seite 55

Mechtild Fuchs führt in ihrem Buch Musik in der Grund­schule neu denken – neu gestal­ten in die The­o­rie des „Auf­bauen­den Musikun­ter­richts“ (AMU) ein und gibt eine Fülle von prak­tis­chen Beispie­len für den Musikun­ter­richt in der Grundschule.
Das Ziel des AMU ist die Entwick­lung der musikalis­chen Kom­pe­tenz von Kindern. Im Unter­schied zur Idee ein­er musisch-ästhetis­chen ­Erziehung, in der die Musik nur eine von anderen kün­st­lerischen Fäch­ern ist und vor allem „außer­musikalis­che“ Ziele, wie die Förderung des Gemein­schaft­ser­leb­nis, ver­fol­gt wer­den, will der auf­bauende Musikun­ter­richt die musikalis­chen Fähigkeit­en aller Kinder sys­tem­a­tisch entwick­eln und fördern. Die Kinder sollen, wie Musik­er das machen, allmäh­lich die Sprache der Musik ver­ste­hen und darin miteinan­der kom­mu­nizieren können.
Mechtild Fuchs stellt in ihrem Buch drei Arbeits­felder vor: Musikalis­ches Gestal­ten (Sin­gen, Musizieren, Musik erfind­en), Auf­bau musikalis­ch­er Fähigkeit­en (Musik ver­ste­hen und ausüben) und Musikkulture(n) erschließen (Hören und Umset­zen von Musik aus unter­schiedlichen Kul­turen und Stil­rich­tun­gen). Alle drei Arbeits­felder kom­men in musikalis­chen Unter­richtsvorhaben zusam­men. Der Schw­er­punkt des Buchs liegt auf den Bausteinen, mit denen musikalis­che Fähigkeit­en sys­tem­a­tisch erwor­ben wer­den kön­nen. Erste Stufe: Auf­bau musikalis­ch­er ­Bas­is­fähigkeit­en vor allem im 1. Schul­jahr. Zweite Stufe: Ein­führung in rhyth­mis­che und tonale Sil­ben. Hier wer­den die Kinder – und wohl auch die meis­ten LehrerIn­nen – mit ein­er speziellen Rhyth­mus- und Ton­höhen­sprache bekan­nt­gemacht. Die Rhyth­mussprache (nach Edwin Gor­don) zielt auf die Ori­en­tierung im Metrum beim Hören von Musik. Es geht um das Her­aushören von schw­eren und leicht­en Pulsen und nicht um Noten­werte. Die Ton­höhen­sprache mit ihren Ton­sil­ben do-re-mi-fa-so-la-ti-do (Solmi­sa­tion) zielt auf das Hören von tonalen Beziehun­gen und har­monis­chen Grund­funk­tio­nen. Dritte Stufe: Noten lesen und schreiben. Das entschei­dende Ziel ist hier, nicht nur nach Noten spie­len, son­dern sie auch inner­lich hören zu kön­nen. An diese drei Grund­stufen schließen sich die Stufen vier bis sechs an, in denen das Ver­ste­hen von Musik im Zen­trum ste­ht. Für alle Arbeits­felder stellt das Buch Unter­richtsvorhaben für das 1. bis 4. Schul­jahr vor, die aus­führlich method­isch erläutert wer­den. Auf der CD sind entsprechende Beispiele für das Hören und Musizieren vorhanden.
Ins­ge­samt ist ein hoch inter­es­santes Arbeits­buch ent­standen. Es gibt einen einzi­gen Wer­mut­stropfen: Fach­lehrerIn­nen wer­den mehr von diesem Buch haben als die ca. 80 Prozent, die Musik fach­fremd unter­richt­en. Allerd­ings ist es auch eine erk­lärte bil­dungspoli­tis­che Absicht von Mechtild Fuchs, den Anteil von Fach­lehrerin­nen auch in der Grund­schule deut­lich zu erhöhen. Im Inter­esse der Kinder wäre zu wün­schen, dass dies gelingt. Karl Holle