Ansohn, Meinhard

Indianer-Projekte

Viele kleine Schritte sind ein Tanz

Thema: Aufsatz
erschienen in: Musik in der Grundschule 2001/01 , Seite 06

Indi­an­er — das Zauber­wort:
Aben­teuer, zel­ten, Lager­feuer, tanzen, trom­meln, sin­gen, stark sein, kämpfen, siegen, jagen, pirschen, die Natur ken­nen, in Ehren ster­ben. Das war das Indi­aner­bild ein­er Nachkriegskind­heit, haupt­säch­lich gespeist von Win­netou oder Led­er­strumpf, erst in Büch­ern, dann in Kinofil­men, schließlich in unzäh­li­gen West­ern im Fernse­hen, an denen vorzugsweise Prärie, Action und Helden­siege inter­essierten.

Indi­an­er — das Heil­wort:
Als Indi­an­er über­leben — von Indi­an­ern ler­nen, ein geborgtes Auf­begehren gegen die eige­nen Gesellschaft­szwänge. Aus den späten siebziger Jahren stam­men die Hoff­nun­gen, dass Heilkräuter, spir­ituelle Gesänge und Tänze, weise Worte zum Gemein­schaft­sleben, der Dank an Mut­ter Erde für ihre Gaben, Per­len­schmuck und Webkun­st und manch­es “Indi­an­is­che” mehr unsere Ent­frem­dung von der Natur rück­gängig machen kön­nten.

Indi­an­er — das Unwort:
Im Dic­kicht der heuti­gen polit­i­cal cor­rect­ness, wo man bess­er “native Amer­i­can” sagt, um nicht an Colum­bus’ unselige Ver­gan­gen­heit anzuknüpfen, bleibt oft ein schlecht­es Gewis­sen, weil die weißen Vor­fahren so viel Blut ver­gossen haben. Man sagt “indige­nous peo­ple”, aber find­et doch, dass “Einge­borene” eigentlich zu prim­i­tiv klingt, um alle kul­turellen Aus­prä­gun­gen ein­er Vielvölk­erge­mein­schaft zu erfassen. Man sieht förm­lich die arme, alko­ho­lab­hängige Krea­tur, auf den unteren Trep­pen­stufen des Wohl­stands sitzend, ihres Leben­sraums beraubt, das einst stolze Gesicht aufge­dun­sen, den Wider­stand begraben am Wound­ed Knee. Mitleid, das zu spät kommt und wed­er jeman­dem hil­ft noch denen gerecht wird, die ihr Leben — ganz unter­schiedlich und dur­chaus auch stolz — ein­fach leben.

Indi­an­er — die Real­ität:
Massen­haft päd­a­gogisch auf­bere­it­ete Infor­ma­tio­nen haben das Zauber­wort entzaubert.(1) Heil­worte gel­ten bei heuti­gen Kids als uncool und an Unworte traut man sich bess­er nicht ran. Die Facetten indi­an­is­ch­er Leben­sre­al­itäten sind uns dage­gen zu weit weg: Was sind heute Reser­vate? Welche sind bedro­ht? In welchen entwick­elt sich Autonomie? Wo und wie leben Indi­an­er in der städtis­chen Welt wirk­lich? Welchen ist ihre Herkun­ft heute noch wichtig? Was haben die in noch etwa neun völ­lig unter­schiedlichen Sprach­fam­i­lien existieren­den weit über 250 Stämme miteinan­der zu tun?(2) Das ist kaum auf ein­fache Weise darzustellen oder gar zu ver­ste­hen.

 

Einen Stand­punkt find­en
Warum über­haupt sich im (Musik-) Unter­richt mit Indi­an­ern beschäfti­gen? Eine mögliche Antwort: Wir kön­nen gar nicht früh genug anfan­gen, uns mit den Wurzeln des Lebens auseinan­der zu set­zten. Manch­mal gelingt das bess­er, wenn wir ganz Fremdes “spie­len” und uns so wirk­lich neben uns stellen kön­nen. Es geht in der Grund­schule — neben dem Erler­nen von Kul­turtech­niken — um das Anbah­nen eines Weltver­ständ­niss­es, das über den eige­nen Rah­men irgend­wann hin­aus­ge­hen kann. Vielle­icht ist im glob­alen Dorf das Wis­sen von und der Umgang mit frem­den Kul­turen sog­ar jet­zt schon eine zusät­zliche Kul­turtech­nik. Tra­di­tio­nen und Visio­nen als Pole von Ver­gan­gen­heit und Zukun­ft sind wichtig für Maßstäbe, die wir an die Gegen­wart anle­gen. Über das jew­eils mögliche bzw. erwün­schte Ver­hält­nis von “Spiel” und “Real­itäts­bezug” beim schulis­chen Ler­nen kann nur jede/r selb­st vor Ort entschei­den.

Real­itäts­bezug im Unter­richt hat die Seite des Erin­nerns (Es war ein­mal), ohne zu verk­lären, die Seite des Ler­nens von all­ge­mein Men­schlichem (Jede/r von uns kön­nte) ohne falsche Gle­ich­macherei und die Seite der Infor­ma­tion (So ist es , ist aber auch so …) ohne vorschnelle Urteile. Das heißt: lesen, sortieren, nach­denken, darüber sprechen.

Und wo ste­hen mit­teleu­ropäis­che Kinder und Erwach­sene eigentlich heute, wenn sie zum The­ma “Indi­an­er” assozi­ieren? Mehrere türkische Jun­gen beschrieben mir Indi­an­er kür­zlich so: “Die ziehen sich komisch an, schreien immer und machen Krieg. Sie leben in Indi­en und jagen Büf­fel.” Das Infor­ma­tions­de­fiz­it geht ein­her mit einem Bilderde­fiz­it: Wo Com­put­er­spiele, Fernsehspek­takel und Fig­urenin­dus­trie den Kopf anfüllen mit eige­nen Pro­duk­ten, brauchen Kinder keine Indi­an­er. Die Faschingsverklei­dun­gen der Jun­gen tendieren daher auch eher zu Hulks, Bat­mans, Poké­mons, allen­falls noch Cow­boys. Ein Indi­an­er­pro­jekt muss mit viel Nichtwissen und Fremd­heits­ge­fühl rech­nen.

Die Grund­schullehrerin­nen bei uns in Berlin mit einem Durch­schnittsalter von 45 Jahren ken­nen noch eher das Indi­an­er­spiel als Aben­teuer aus der Zeit der Ruinen, der undefinierten Frei­flächen, der inner­städtis­chen Tobe­plätze, die heute zugepflastert und ver­baut sind. Manch­mal sind es diesel­ben, die das Indi­an­erre­vival im Studi­um miter­lebt haben (z. B. Claus Biegerts Sur­vival-School-Pro­jek­te) oder die später das spir­ituelle Sin­gen (“Fly Like An Eagle”, “Witchi Tai Tai” und Co.) ent­deckt haben als Aus­gle­ich zur ver­sach­licht­en Arbeitswelt. Wer Indi­an­is­ches liebt, muss viel Wis­sen und Ver­trautheits­ge­fühl zur Seite schieben, um die Kluft zu den heuti­gen Kindern nicht zu groß wer­den zu lassen.

 

Essen und spie­len: Was wir schon haben
In der Grund­schule wer­den wir die ganze Geschichte der Indi­an­er nicht erschöpfend darstellen kön­nen und wollen. Wenn wir am Ende vielle­icht irgend­wo ankom­men, wo auch die trau­ri­gen Wahrheit­en einen ver­ar­beitungs­fähi­gen Platz haben, ist sich­er viel erre­icht.

Ein kleines Indi­an­er­pro­jekt kommt mit weni­gen Din­gen aus, die wir schon besitzen: Nicht nur die Kartof­fel, vor allem die überm Feuer gegrillte, kam von den Indi­an­ern, son­dern auch die Tomaten­suppe, die Maiskol­ben und die Avocadocreme.(3)

Auch jede Menge Fang-, Bewe­gungs- und Wurf­spiele sind indi­an­is­chen Ursprungs. So heißt z. B. der in vie­len Schulen beliebte Stopp­tanz bei den Lako­ta “Erstar­rt zu Stein”(4) und wird zum Klang der von einem Kind gespiel­ten Trom­mel getanzt. Wer sich beim Ver­s­tum­men der Trom­mel als Letzte/r bewegt, schei­det aus.

Kochen, essen und spie­len sind bere­its ele­mentare (und uni­verselle) Ele­mente des Zusam­men­lebens, an dem Kinder teil­haben. Ein Fest wäre damit schon organ­isiert, Sin­gen und Tanzen run­den es ab.

 

Sin­gen und tanzen: Kleine Schritte weit­er
Viele tra­di­tionelle indi­an­is­che Lieder sind in ihren rhyth­mis­chen Fol­gen zu kom­plex, als dass wir sie ein­fach trom­meln, und in ihrer rauen Stim­mge­bung zu fremd, als dass wir sie ein­fach sin­gen kön­nten. Den­noch gibt es welche, z. B. das Hey neya heye (Noten im Down­load) der Navajos,(5) das sehr typ­isch für viele Gesänge nor­damerikanis­ch­er Indi­an­er ist: Es enthält zwei Melodi­eteile, die jew­eils am Ende abwärts ver­laufen. Melodis­che Abwärtss­chritte kom­men bei den Liedern der meis­ten Indi­an­ervölk­er etwa dop­pelt so häu­fig vor wie Aufwärtsbewegungen.(6) Außer­dem enthält es nur sehr reduzierte Textzeilen. Wie die meis­ten Gesänge beste­ht es haupt­säch­lich aus Sil­ben, so genan­nten “voca­bles”, die reine Klang-, aber keine Bedeu­tungsträger sind.

Die Indi­an­er sagen, dass wir Weißen “zu viel reden, wenn wir singen”.(7) In unseren Liedern wür­den die Melo­di­en und Rhyth­men durch die klar aus­ge­sproch­enen Texte gar zerstört.(8) In indi­an­is­chen Liedern gehören das Sin­gen und das Sprechen sel­ten zusam­men, son­dern eher das Sin­gen und die anteil­nehmende Gemein­schaft — mal ruhig sitzend, mal sich bewe­gend. Die meis­ten der über­liefer­ten indi­an­is­chen Kreistänze kom­men mit weni­gen kleinen Schrit­ten aus. Wenn man “Hey neya heye” mit einem ein­fachen Trom­mel­grund­schlag begleit­et und die Kinder im Kreis ganz kleine Stampf­schritte zur Seite (rechts — ran, rechts — ran usw.) machen, ist man schon nahe dran am “Indianischen”.(9)

 

Wahrnehmen und gestal­ten: Die Gren­zen abtas­ten
Ob wir uns anmalen, uns ein Totemze­ichen zule­gen, ein Tipi bauen, mit Natur­ma­te­ri­alien Musik machen, ein ganzes Pow­wow (= Stammeszusam­men­tr­e­f­fen) insze­nieren — all diese Dinge hän­gen davon ab, wie viel Kraft in ein­er Pro­jek­tidee liegt, wie weit wir uns von uns weg und wie nah an etwas Fremdes her­an­wa­gen wollen. Infor­ma­tio­nen und Bilder gibt es mit­tler­weile zu Hauf in allen “Erk­lär mir”-, “Was ist Was”- oder ähn­lichen Rei­hen.

Ob wir uns Märchen und Mythen vor­lesen oder etwas über die Geschichte der Indi­an­er find­en, was uns nicht sofort den großen Schreck­en ein­jagt, ist eine Frage der Vor­bere­itung, der Mate­ri­alauswahl und der ver­füg­baren Zeit. Wir haben in der Grund­schule — ger­ade mit diesen “Randthe­men” — die Möglichkeit, alles auf ganz kleine exem­plar­ische Kost­proben zu beschränken oder aber zu einem großen Pro­jekt mit Schulfest, Vor­führun­gen und Ausstel­lung auszudehnen. Die fächerverbinden­den Aspek­te liegen auf der Hand und bieten mehr Anreize des Ler­nens als manche nor­male Unter­richt­sein­heit.

Was die Musik ange­ht, sind uns allerd­ings Gren­zen vorgegeben, die wir ken­nen soll­ten, um nicht allzu naiv die alten Indi­an­erk­lis­chees zu ver­bre­it­en. Es ist damit so ähn­lich wie mit den Bildern: Viele Erwach­sene haben echte Indi­aner­bilder gese­hen und assozi­ieren den­noch mit dem Wort Indi­an­er immer noch Pierre Brice oder Heer­scharen von kroat­is­chen Reit­ern aus den Karl-May-Fil­men. Es scheint manch­mal, als gäbe es die Indi­an­er für uns gar nicht wirk­lich.

 

Was ist indi­an­is­che Musik? Gedanken und Hör­tipps
Die Gren­zen liegen in der indi­an­is­chen Geschichte, die schon lange aus Abgren­zun­gen und Wider­stand beste­ht. Bei der Frage, was denn indi­an­is­che Musik eigentlich sei, stoßen wir daher auf viele Wider­sprüche, die von außen kaum zu entwirren sind.

Indi­an­is­che Musik wird von der Musik­wis­senschaft lediglich als eth­nis­che Musik wahrgenom­men, tra­di­tionell, kul­tisch gebun­den. In diesem Bere­ich ist es, ähn­lich wie bei den aus­tralis­chen Abo­rig­ines, oft so, dass Melo­di­en in Stammes- oder Schama­nenbe­sitz sind, vererbt, verkauft oder gestohlen wer­den kön­nen, aber nicht ein­fach so zur Benutzung freigegeben sind.(10) In diesem Bere­ich ist es schw­er her­auszufind­en, was man darf und was nicht, und nicht alles Erlaubte ist uns dann schon zugänglich.

Für viele Indi­an­er ist indi­an­is­che Musik die Musik, die von Indi­an­ern gemacht wird. Allerd­ings haben sich einige indi­an­is­chstäm­mige Musik­er um des Erfolges Willen zum zweit­en Mal Geset­zen unter­wor­fen, denen sie sich schon als Indi­an­erange­hörige unter­wor­fen haben. Sie haben sich aus Indi­an­er­sicht an den von Weißen beherrscht­en Musik­markt angepasst und sich von ihm abhängig gemacht.(11) So sind etwa Cher (Vater Apache) oder Jimi Hen­drix (Vater Chero­kee) von indi­an­is­ch­er Musik so weit ent­fer­nt wie die Ziller­taler Schürzen­jäger von alpen­ländis­ch­er Volksmusik: von den Massen bejubelt, von den Wurzeln getren­nt.

Eher als Indi­an­er­musik akzep­tiert wurde hinge­gen die mäßig erfol­gre­iche reine Cheyen­neband Red­bone, die in den frühen 70er Jahren auch in Deutsch­land zwei Hits hatte.(12) Obwohl die Band textlich und musikalisch Indi­an­is­ches in die Rock­musik ein­brachte, gab es viel Mis­strauen bei den Cheyennes, aus Angst, ihre Sache könne ver­rat­en wer­den.

Zur sel­ben Zeit wie Red­bone gab es andere Grup­pen und Kün­stler, die im Zuge der weltweit­en Ameri­ka-Kri­tik Indi­an­erthe­men auf­grif­f­en wie z. B. John D. Lou­d­er­milk (“The Lament Of The Chero­kee — Indi­an Reser­va­tion”; in der Ver­sion des Englän­ders Don Far­don auch ein Charts-Hit bei uns) oder in Deutsch­land Gila (“Bury My Heart At Wound­ed Knee”). Alles gut gemeint, aber kaum als indi­an­is­che Musik anzunehmen.

In der Nach­folge der poli­tisch gemein­ten Annäherun­gen standen die New-Age-Kün­stler, die ver­sucht­en, aus indi­an­is­chen Motiv­en Heilsmusiken für alle abzuleiten.(13) Auch dage­gen wandten sich die Indi­an­er: Sie nan­nten es Aus­beu­tung der alten schaman­is­tis­chen Prak­tiken und sprachen dieser Musik das Recht ab, sich in indi­an­is­chen Kon­text zu stellen.(14)

Ander­er­seits gibt es Indi­an­er, die völ­lig untyp­is­che Stilis­tiken benutzen, um ihr Stammesleben zu bere­ich­ern (wie eine Mis­chung von deutsch­er Pol­ka und mexikanis­ch­er Cumbia beim Papa­go-Volk in Südari­zona) (15) oder in der Welt der Weißen auf sich aufmerk­sam zu machen wie z. B. ein­er der bei den “Amer­i­can Natives” geachtet­sten indi­an­is­chen Musik­er der let­zten dreißig Jahre, Floyd West­er­mann (Lako­ta; spielte zulet­zt im Film “Der mit dem Wolf tanzt” den Ten Bears), der seine harten, ankla­gen­den Texte im Stil von Coun­try-Songs singt, also die Lieblingsmusik des nor­damerikanis­chen Weißen als Vehikel benutzt.(16) Indi­an­er­musik? Aus Indi­an­er­sicht schon, für uns nicht hör­bar.

Der für uns sich­er inter­es­san­teste Musik­er zwis­chen den Wel­ten ist zur Zeit der Gitar­rist Rob­bie Robert­son, zuerst mit Bob Dylan bekan­nt gewor­den, später erfol­gre­ich mit “The Night, They Drove Old Dix­ie Down”.(17) Er besann sich Anfang der 90er Jahre auf seine indi­an­is­chen Wurzeln (Mut­ter Mohawk) und bekam 1994 den Auf­trag, für eine sechsstündi­ge TV-Doku­men­ta­tion über die Ure­in­wohn­er Nor­damerikas die Musik zusam­men­zustellen bzw. zu kom­ponieren. Er reiste herum und fand indi­an­is­che Grup­pen, die abseits des Tra­di­tionellen neue Musik schufen, welche den­noch als indi­an­is­che ken­ntlich blieb.(18) Auf Rob­bie Robert­sons CD “Con­tact From The Under­world Of Red­boy” von 1998 find­en sich viele Weit­er­en­twick­lun­gen seines inte­gralen musikalis­chen Denkens, Col­la­gen, Begeg­nun­gen von Altem und Neuem, Klän­gen und Tex­ten, die als Doku­mente der Auseinan­der­set­zung mit indi­an­is­ch­er Geschichte gel­ten kön­nen.

Für die Schule inter­es­sant ist das Stück “Stomp Dance (Uni­ty)”, in dem wir tra­di­tionell Klin­gen­des eben­so erken­nen kön­nen wie mod­erne Pop-Elektronik.(19) Eine Klangskizze kann diese Begeg­nung zweier Wel­ten fes­thal­ten. Zwei Grup­pen kön­nten sie tanzen: die “Roten” bewe­gen sich bei den “Indi­an­erk­län­gen”, die “Weißen” bei den Popteilen. Bei­de Grup­pen kön­nten angedeutete rote bzw. weiße Bemalun­gen tra­gen. Ein Ver­such immer­hin: Wir sel­ber brauchen die akustis­che Ori­en­tierung an zuord­nungs­fähi­gen Merk­malen, wenn wir neue Wel­ten erschließen wollen.

Für diejeni­gen, deren Musik wir hier andeu­tungsweise betra­cht­en woll­ten, gilt eher der Satz von Buffy Sainte-Marie, selb­st Indi­aner­in aus dem Stamm der Cree: “Ein Indi­an­er muss sich nicht anziehen und han­deln wie ein Indi­an­er, denn er ist schon einer.”(20)

 

Hör­beispiele auf der CD
Hey neya heye — I’m In Love With A Nava­jo Boy (Pat­sy Cas­sadore)

The Witch Queen Of New Orleans (Red­bone)

An Ti Dog Ma Ti Sm — Auss­chnitt (Oliv­er Shan­ti & Friends)

Cua­tro Vidas Pol­ka — Auss­chnitt (South­ern Scratch)

Mahk Jchi — Heart­beat Drum Song, Auss­chnitt (Rob­bie Robert­son)

Stomp Dance — Uni­ty (Rob­bie Robert­son)

 

Anmerkun­gen
(1) Eine dieser Entza­uberun­gen war z. B. 1992 die Ent­deck­ung der New York Times, dass die berühmte Rede von Häuptling Seat­tle an den weißen Mann die Erfind­ung eines indi­an­er­fre­undlichen tex­anis­chen Geschicht­spro­fes­sors in den 70er Jahren gewe­sen war; vgl. das sehr aus­führliche, reich bebilderte, gut recher­chierte Buch von David Thurst Thomas u. a.: Die Welt der Indi­an­er — Geschichte, Kun­st, Kul­tur von den Anfän­gen bis zur Gegen­wart; dt.: Wern­er Peter­mann, Fred­erk­ing & Thaler, München 1998.

(2) Eine einiger­maßen über­sichtliche Darstel­lung von Sprach­fam­i­lien und Stäm­men find­et sich in H. J. Stam­mel: Indi­an­er — Leg­ende und Wirk­lichkeit von A-Z, Orbis-Ver­lag, München 1992, S. 42–44.

(3) Eva Bechtler-Voseck­ová / Ani­ta Mar­gulies-Levy: Indi­an­erkochbuch, Inco­min­dios, Zürich o. J.

(4) Ruben Philipp-Wick­en­häuser: Indi­an­er-Spiele — Spiele der Ure­in­wohn­er Amerikas für die Kids von heute, Ver­lag an der Ruhr, Mül­heim 1997.

(5) auf deutsch: “Ich liebe einen Nava­jo-Jun­gen”, gesun­gen von der Nava­jo Pat­sy Cas­sadore. Das Lied stammt von der 3-LP-Cas­sette Authen­tic Music of The Amer­i­can Indi­an, Ever­est Records, SDBR 3450/3-A.

(6) Gilbert Chase: Die Musik Amerikas — Von den Anfän­gen bis zur Gegen­wart, New York 1955; dt.: Max Hess­es Ver­lag, Berlin 1958, S. 463–494.

(7) Im sel­ben Buch wird damit die Forscherin Alice Fletch­er zitiert, die Lieder bei den Dako­tas, Otos und den Pon­ca unter­sucht hat (S. 473).

(8) Wer Indi­an­er­lieder sin­gen möchte, sollte sich über­legen, ob mit ganz kleinen Kindern evtl. trotz­dem ver­ste­hbare deutsche Texte angemessen sind — wie vorgeschla­gen bei Frank Robra: Und also sang die Sonne — Lieder und Tänze der Indi­an­er Nor­damerikas, eres-edi­tion, Lilien­thal, o. J. — oder ob man lieber das Erleb­nis des “Sin­gens an sich” — um nicht “magis­ches Sin­gen” zu sagen — haben möchte und z. B. Indi­an­is­ches auswählt aus: Hagara Fein­bier: Come Togeth­er Songs, Selb­stver­lag 1997 (H. F. Rosa-Lux­em­burg-Straße 98, 14806 Belzig).

(9) Tanzschritte sind bei Frank Robra (vgl. Anm. 8) abge­bildet, aber auch sehr schön im Kolib­ri-Musik­buch 3/4 (hg. von Bet­ti­na Küntzel und Wulf-Dieter Lugert, Han­nover 1995, S. 77). Man muss sich aber im Klaren darüber sein, dass alle Tänze dieser Art nur Annäherun­gen an etwas ganz Fremdes sein kön­nen.

(10) Carl Dahlhaus / Her­mann Danuser (Hg.): Neues Hand­buch der Musik­wis­senschaft, Bd 9; Hans Oesch: Außereu­ropäis­che Musik (2), Laaber-Ver­lag, Laaber 1987; Kapi­tel “Nor­damerikanis­che Indi­an­er”, S. 311–332.

(11) vgl. Carl-Lud­wig Reichert: “Indi­an­errock — Musik von nor­damerikanis­chen Indi­an­ern im Wider­stand”, in: J. Gülden / K. Humann: Rock-Ses­sion Bd. 1, Rein­bek 1977, S. 100–110.

(12) Das Stück “The Witch Queen Of New Orleans” war 1971 in Deutsch­land auf Platz 16 der Hit­pa­rade, in Eng­land auf Platz 2, in USA auf Platz 21! Hier ist es ein­er inter­es­san­ten Zusam­men­stel­lung indi­an­is­ch­er “Erfol­gsti­tel” ent­nom­men: Natives, FNAC Music 1993, 662244.

(13) Nur ein kurz­er Auss­chnitt aus dem beze­ich­nen­den Titel “An Ti Dog Ma Ti Sm” von der Tai-Chi-CD von Oliv­er Shan­ti & Friends. Viele “Dance Of The Earth”- und “Healing”-Songs benutzen Indi­an­er­mo­tive wie fremde Fed­ern. Für uns Geschmackssache, für viele Indi­an­er unto­lerier­bar.

(14) Ein span­nen­der, auch wer­tender Führer durch — nicht nur diesen Teil von — Musiken der Welt ist der Rough Guide — Welt­musik von Simon Broughton (Hg.), dt.: Moni­ka Wolter­ing / Mirella Bauer­le, Stuttgart 2000, S. 748–759.

(15) Ein kurzes Beispiel der Gruppe South­ern Scratch von der Rough Guide-CD Native Amer­i­can Music; World Music Net­work, RGNET 1029: “Cua­tro Vidas Pol­ka”.

(16) Textbeispiel aus “Red, White & Black” von der leg­endären LP Custer Died For Your Sins: “Der Rote wurde getötet, um neues Land zu gewin­nen, und der Schwarze nur so zum Spaß. Und du [Ameri­ka] wun­der­st dich, warum der Rote nicht wie du sein will. Du soll­test dich lieber wun­dern, warum der Schwarze es will …”

(17) Bei uns bekan­nt unter dem Titel “Am Tag, als Con­nie Cramer starb” von Juliane Werd­ing.

(18) Ein beza­ubern­des Beispiel ist die Gruppe Pura Fe (Saponi) mit einem aztekischen Tromm­ler und einem dezen­ten Key­board-Arrange­ment von Robert­son: “Mahk Jchi” (Heart­beat Drum Song) von der CD: Music For The Native Amer­i­cans (Rob­bie Robert­son & The Red Road Ensem­ble), Capi­tol 1994, LC 0148.

(19) CD Con­tact From The Under­world Of Red­boy (Rob­bie Robert­son), Capi­tol 1998, LC 0148.

(20) in C.-L. Reichert, a. a. O., S. 100.