Forte

Notations-Software

Thema: Software
Verlag/Label: Lugert-Verlag-Midisoft
erschienen in: Musik in der Grundschule 2006/03 , Seite 80

Die Anforderun­gen, die an ein Nota­tions-Pro­gramm gestellt wer­den sind vielfältig: Die Bedi­enung soll ein­fach und intu­itiv – am besten ohne Hand­buch – erlern­bar sein, trotz­dem aber die Lösung möglichst aller Nota­tion­san­wen­dun­gen zulassen – vom kleinen Stab­spiel­satz bis zur großen Par­ti­tur, von der Lied­no­ta­tion bis zum Chor­satz, von transponieren­den Bläsern bis zur instru­men­tal­spez­i­fis­chen Tab­u­latur-, Perkus­sions- und Grafi­kno­ta­tion. Allein an diesem Forderungskat­a­log wird sicht­bar, dass sich ein­fache Bedi­enung und voll­ständi­ger Funk­tion­sum­fang weit­ge­hend auss­chließen. Der anfänglichen Euphorie nach dem Aufkom­men rech­n­ergestützter Nota­tion ist deshalb mit­tler­weile die Erken­nt­nis gefol­gt, dass diese Tätigkeit früher mit gutem Grund eine Lehraus­bil­dung erforderte, um die auch der mod­erne Com­put­er-Anwen­der nicht herumkommt. Wer tat­säch­lich eine müh­elose Bedi­enung haben wollte, musste deshalb mit stark eingeschränk­tem Funk­tion­sum­fang auskom­men.
Das neue Nota­tion­spro­gramm Forte ver­spricht „spielerische Erlern­barkeit“, „umfassende Funk­tio­nen“ und eine Eig­nung gle­icher­maßen für Anfänger wie für Profis. Angesichts der Kom­plex­ität von Nota­tion ein schein­bar unlös­bares Ver­sprechen.
Der erste Ein­stieg ver­läuft über­raschend prob­lem­los. Bei der Instal­la­tion wer­den Key­board und Sound­karte selb­st­ständig geprüft und ein­gerichtet. Sobald das Pro­gramm startet, ist schon alles betrieb­s­bere­it. Ein leeres Noten­sys­tem erscheint und will gefüllt wer­den. Noch bevor weit­ere Fra­gen auf­tauchen, wird eine Box sicht­bar, die alle Sym­bole und Anwen­dun­gen zeigt: Noten, Pausen, Tak­tarten, Tonarten, Dynamik … Automa­tisch ist der Cur­sor auf „Noten“ vor­eingestellt. Fährt man mit dem Cur­sor über das Noten­sys­tem, blinkt an dieser Stelle eine kleine Mininote und es erscheint ein Tak­traster, das anzeigt, auf welch­er Zäh­lzeit sich der Cur­sor ger­ade befind­et. Es braucht dann nur noch einen Mausklick, um die Note dor­thin zu set­zen, wo sie hinge­hört. Die Pausen­ze­ichen drum herum erscheinen vol­lau­toma­tisch. Hat man sich ver­tippt, reicht es, die Note nochmals zu platzieren. Mit Hil­fe dieses Koor­di­naten­sys­tems und der Pause­nau­tomatik ist die Nota­tion ein­er Melodie tat­säch­lich ein Kinder­spiel.
Eine weit­ere für Schulzwecke wichtige Anwen­dung ist die Eingabe von Lied­tex­ten. Nach Anwahl des Tex­twerkzeugs erscheint ein Cur­sor unter der ersten Note. Nun reicht es, den Text fort­laufend einzu­tip­pen (oder per copy und paste einzufü­gen). Nur die Sil­ben­tren­nung muss mit ein­fachem Strich markiert wer­den, dann platziert das Pro­gramm die Sil­ben automa­tisch unter die zuge­hörige Note. Ganz klein­er Wer­mut­stropfen: Hal­te­bö­gen wer­den nicht erkan­nt. Hier muss man von Hand die Tab­u­la­tor­taste betäti­gen. Anson­sten gilt: Ein­fach­er geht’s nicht.
Auch die weit­eren Bedi­en­schritte gestal­ten sich ähn­lich intu­itiv. Grund dafür ist ein neues Prinzip der Benutzer­führung. Jede Eingabe und jed­er Bedi­en­schritt wird dort vorgenom­men, wo er anfällt. Soll irgen­det­was an der Note selb­st geän­dert wer­den, reicht der Klick auf die Note, um eine Werkzeug­box zu öff­nen, die alle erforder­lichen Manip­u­la­tio­nen anbi­etet. Soll ein Balken, ein Akko­rd oder irgen­det­was anderes edi­tiert wer­den, zeigt sich sofort bei dessen Anwahl die entsprechende Box. Alles, was bear­beit­et wer­den soll, braucht nur mit der Maus ange­fasst zu wer­den. Dieses Prinzip erlaubt es dem Benutzer, jed­erzeit zu bes­tim­men wie tief er in die Materie ein­drin­gen will. Gle­ichzeit­ig entkop­pelt es ihn von der Frage, welch­es Werkzeug dazu benötigt wird und wo man es find­et. Auf diese Weise ist es tat­säch­lich möglich, Anfänger und Fort­geschrit­tene gle­icher­maßen zu bedi­enen.
Zu den wichtig­sten Funk­tio­nen des Com­put­er-Noten­satzes gehört die Audio-Wieder­gabe, denn oft ent­deckt man Fehler erst durchs Hören. Bere­its bei der Noteneingabe ertönt aus dem Com­put­er-Laut­sprech­er die geset­zte Note. Fürs Abspie­len ist ständig ein Mix­er mit Schiebre­glern für Laut­stärke und Klang sicht­bar. Auf diese Weise gestal­tet sich das Abhören kom­fort­a­bel und prob­lem­los – und darüber hin­aus erstaunlich klangschön, denn man hat das in der Stu­dio­pro­duk­tion beliebte „Gar­ri­tan Per­son­al Orches­tra“ inte­gri­ert, eine aufwändi­ge Klang­bib­lio­thek.
Bish­er nur in teuren Profi-Pro­gram­men zu find­en ist der Export als Bild-Datei. Bei Forte ste­hen alle wichti­gen For­mate (JPG, TIF, BMP) zur Ver­fü­gung, so dass eine Nota­tion jed­erzeit in ein anderes Pro­gramm (z. B. Word) einge­fügt wer­den kann.
Last not least: der Preis. Forte ist ver­glichen mit der Konkur­renz (z. B. Finale) konkur­ren­z­los gün­stig. Ger­ade bei der für Schule wichti­gen Mehrfach­lizenz war man bei der Preis­gestal­tung großzügig.
Faz­it: Auch wenn das Pro­gramm noch sehr neu ist und immer noch an Verbesserun­gen und Fehlerbe­sei­t­i­gun­gen gear­beit­et wird, merkt man ihm an, dass bei der Entwick­lung Inge­nieure sowie Anwen­der mit päd­a­gogisch geschul­tem Blick zusam­mengear­beit­et haben und jew­eils das Beste ihrer Seite beiges­teuert haben. Forte ist auf­grund sein­er gelun­genen Syn­these aus Bedi­enungs­fre­undlichkeit und Funk­tionsvielfalt für schulis­che Anwen­dun­gen sehr zu empfehlen.
Friedrich Neu­mann